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Städte- und Schulpartnerschaft zwischen Kirchberg und Villeneuve L'Archevêque

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges entwickelte sich schnell ein neues entspannteres Verhältnis zwischen den ehemaligen Gegnern Frankreich und Deutschland. In beiden Ländern setzten sich die maßgeblichen Politiker für ein Miteinander statt des jahrhundertelangen Gegeneinanders ein.

Es gibt sicher keine zweite regionale Partnerschaft zwischen Deutschland und Frankreich und darüber hinaus in Europa, die so aktiv und mit prallem Leben gefüllt ist wie die Partnerschaft Rheinland-Pfalz/Burgund. Zu Recht hatten die Veranstalter ihre Jubiläumsveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen vom 1.- 4. März 2007 in Dijon unter das Motto gestellt „eine Partnerschaft fürs Leben im Herzen Europas“. ( Landeszentrale für politische Bildung).

Heute gibt es mehr als 500 Partnerschaftskomitees in beiden Regionen, die diese Partnerschaft lebendig und beispielhaft für die europäische Integration machen.

Bereits im Juli 1953 waren Journalisten aus Rheinland-Pfalz nach Burgund eingeladen, die bei dieser Gelegenheit erste Kontakte in Richtung Partnerschaft knüpften. Gewiss war dieses Projekt 1953 zukunftsweisend, es war aber auch abenteuerlich und für manch einen illusionär.

Als am 5. Mai 1955 der Besatzungsstatus aufgehoben wurde, war man sich schnell bewusst, dass die Gründung eines Partnerschaftsvertrags zwischen Burgund und Rheinland-Pfalz die beste Gewähr für eine dauerhafte Aussöhnung und Freundschaft wäre.

So kam es 1956 zur Gründung des Freundschaftskreises Rheinland-Pfalz/Burgund, heute Partnerschaftsverband Rheinland-Pfalz/Burgund e.V., und Beurkundung der ersten Städtepartnerschaft zwischen Neustadt an der Weinstraße und Mâcon.

1962 folgte die Unterzeichnung des offiziellen Partnerschaftsvertrages zwischen Rheinland-Pfalz und Burgund durch Ministerpräsident Peter Altmeier und Chanoine Député-Maire Félix Kir. Nach und nach entwickelten sich nun bis heute 144 Städtepartnerschaften.
In den Akten der Verbandsgemeinde Kirchberg findet sich unter dem Datum 21.1.1965 ein erster Hinweis auf eine Aktivität in Richtung Partnerschaft. Es war ein Anschreiben des Landrates an die Amtsverwaltungen des Kreises Simmern. Daraufhin befasste sich der Stadtrat der Stadt Kirchberg am 22.7.1965 zum ersten Mal mit der Gründung einer Partnerschaft und trug dieses Anliegen auch den Vereinen vor. Bereits am 10.08.1965 beschloss der Stadtrat, Kontakt mit einer französischen Stadt in Burgund aufzunehmen. In dieser Sondierungsphase erhielt die Verwaltung eine Mitteilung der Stadt Zell aus dem Jahre 1959, aus der hervorgeht, dass sich vier europäische Städte damals in Zell trafen und die Bürgermeister ein Gelöbnis ablegten.

Waren es nicht solche Willenserklärungen, die unser heutiges Europa formten?
Immer wieder wird später bei fast allen Treffen von der Förderung kultureller und sportlicher Beziehungen, von tiefer, herzlicher Freundschaft in Freiheit und Demokratie gesprochen werden.
Anlässlich eines Besuches des Präfekten Philipp und des Regierungspräsidenten Dr. Schmitt in Kirchberg kamen nun auch die Schulen ins Boot, indem man damit begann Briefpartnerschaften ins Leben zu rufen.
Auf der Suche nach einer Partnerstadt war man zunächst auf die Stadt Premery gestoßen.
Immer wieder wandte sich die Stadt an die Bezirksregierung und wies auf das rege Vereinswesen und das Schul-, Kultur- und Sportzentrum hin. Ebenso wurde immer wieder der Freundschaftskreis Rheinland-Pfalz/Burgund mit der Bitte kontaktiert, bei der Suche nach einer adäquaten Partnerstadt behilflich zu sein.
Dann endlich, am 29.08.1968, taucht in den Korrespondenzen der Name Villeneuve L‘Archevêque auf, unterzeichnet von Herrn Paul Grelot, dem Amtskollegen von Herrn Rudi Koppke. Herr Grelot kam dann im September 1968 zu einem Kurzbesuch nach Kirchberg. Schon bald darauf erfolgt eine Einladung nach Villeneuve. Am 16.1.1969 erfuhr dann die Bevölkerung aus der Zeitung, dass zwischen Kirchberg und Villeneuve L'Archevêque „Verlobung“ geschlossen wurde.
In der Folge fanden mehrere gegenseitige Besuche, auch auf überregionaler Ebene, statt. Aber noch bevor es zur Gründung einer formalen Partnerschaft kam, kündigten sich 36 Schüler aus Villeneuve zu einem Besuch an, der dann Ende Oktober durchgeführt wurde. Herr Erwin Wagner koordinierte als Vorsitzender des Freundschaftsausschusses die Begegnungen der deutschen und französischen Schüler. Der Gegenbesuch erfolgte in zwei Schülergruppen im Juli/August 1970. Man kann also feststellen, dass die Schulen quasi als Eisbrecher ein Wegbereiter der Annäherung waren.
Nach den sehr gründlichen Vorplanungen konnte endlich am 20.09.1970 die feierliche Proklamation der Partnerschaftsverbindung in Villeneuve L'Archevêque  durchgeführt werden.  Am 25.10.1970 erfolgte danach die Proklamation in Kirchberg.

Bürgermeister Rudi Koppke bei der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde in Villeneuve L’Archevêque.

Mit dem Text der Partnerschaftsurkunde verpflichteten sich die beiden Städte und ihre Bürger dem Frieden und der Einheit Europas zu dienen.


Original der Partnerschaftsurkunde

Wir, durch die freie Wahl unserer Mitbürger gewählten Bürgermeister Paul Grelot, Bürgermeister der Stadt Villneuve und Rudi Koppke, Bürgermeister der Stadt Kirchberg/Hunsrück Beseelt von dem Willen, dem Wohl der Bevölkerung unserer Städte zu dienenIm Bewusstsein, dass unsere beiden Städte auf uraltem Boden gemeinsamer weltlicher Kultur liegen und dass der Geist der Freiheit bereits aus den Urkunden spricht, die unseren Gemeinden vor Jahrhunderten die Stadtrechte verliehenIn Anbetracht der Erkenntnis, unsere Geschichte in einer größer gewordenen Welt gemeinsam fortzusetzen, in einer Welt, die nur dann wahrhaft menschlich ist, wenn Menschen frei in freien Städten leben, verpflichten wir uns am heutigen Tage feierlich:
Ewige Bande zwischen den Bürgern unserer Städte zu knüpfen, auf allen Gebieten den Austausch zu fördern, um durch eine bessere gegenseitige Verständigung das wahre Gefühl der europäischen Brüderlichkeit zu verwirklichen.

Mit all unseren Kräften zur Einheit Europas beizutragen, damit sie werde ein Werk des Wohlstandes und des Friedens.

Gezeichnet in Villeneuve L’Archevêque, am 20. September 1970

In der Aula der fahnengeschmückten Stadt wurden in Anwesenheit von ca. 300 Personen die Urkunden unterzeichnet und die Partnerschaft im Rahmen eines festlichen Programms besiegelt.

Bereits im folgenden Jahr wurde in Villeneuve ein neuer Bürgermeister gewählt, Herr Henri Kienlen, der sich aber genauso der Partnerschaft verpflichtet sah wie sein Vorgänger.
Für das Maiwochenende 15.05. - 17.05.1971 meldeten sich der Musikverein, der Fußballverein und eine Delegation Kirchberger Bürger in Villeneuve an.
Für die Sommerferien 1971 wurde ein Schüleraustausch in Villeneuve geplant.
Der offizielle Gegenbesuch der Partnerstadt erfolgte vom 25.09. - 26.09.1971 in Kirchberg, wo man in der Turnhalle „Auf der Schied“ mit einem „Bunten Abend“ das Freundschaftswochenende ausklingen ließ.
Ein Blick in die Akten zeigt uns, dass im Jahre 1972 ungefähr 100 Bürger aus Villeneuve zu Gast in Kirchberg waren. Die offiziellen Freundschaftstage fanden anlässlich der Augustkirmes vom 05.- 07.08.1972 statt. Man konnte sich an der Schönheitskönigin aus Villeneuve und an burgundischen Weinen erfreuen. Nach Villeneuve fuhren im September die Handball- und die Fußballmannschaft.
Im folgenden Jahr wurde der Erweiterungsbau des Rathauses eingeweiht und dazu waren auch die Bürger der Partnerstadt eingeladen. In diesen Anfangsjahren der Städtepartnerschaft leitete Herr Erwin Wagner maßgeblich die Aktivitäten des Freundschaftskreises. Herr Wagner und drei Persönlichkeiten aus Villeneuve L’Archevêque wurden bei dieser Gelegenheit mit der Ehrennadel des Freundschaftskreises ausgezeichnet. Zum Gegenbesuch nach Villeneuve fuhr man vom 08.09. -  11.09.1973.
Ab 1974 leitete Herr Henri Kienlen das Partnerschaftskomitee in seiner Funktion als Stadtratsmitglied.
Im Jahre 1974 besuchten 30 Gäste aus Villeneuve ihre Kirchberger Partner während der Pfingstkirmes. Danach schrieb die Hunsrücker Zeitung: „Der gallische Hahn kam in die Stadt auf dem Berge“, denn als Gastgeschenk wurde den Kirchbergern ein handgetriebener gallischer Hahn eines französischen Künstlers überreicht. Zur Denzer Kirmes und der Augustkirmes kamen ebenso zahlreiche Gäste aus Frankreich.
Am 17.11.1975 berichtete Herr Bürgermeister Koppke dem Freundschaftskreis Rheinland-Pfalz/Burgund: „ Die langjährigen Bemühungen um einen Schüleraustausch brachten  in diesem Jahr den ersten Erfolg.“ 35 Schüler der Realschule waren vom 25.5. - 1.6.1975 Gäste des Collège Villeneuve L’Archevêque. Anschließend waren die französischen Schüler Gäste der Realschule in Kirchberg. Im Mittelpunkt stand der  gemeinsame Unterricht, es gab aber auch Sportveranstaltungen und gesellige Abende. Die offiziellen Partnertage fanden vom 13. bis 15.09.1975 in Villeneuve statt.
Auch im Jahr 1976 wurde der Schüleraustausch fortgesetzt.
Nachdem Herr Erwin Wagner Ende 1975 sein Amt als Partnerschaftsbeauftragter niedergelegt hatte, führte ab 1976 Herr Bernd Kreutzer den Partnerschaftsausschuss weiter, koordinierte gleichzeitig als Konrektor der Realschule den Schüleraustausch und begleitete über Jahre die Schüler nach Frankreich.
Zu den offiziellen Freundschaftstagen trafen am Wochenende vom 25./26.09.1976 ca. 60 Personen, darunter eine Fußballmannschaft, eine Handballmannschaft und Angehörige der freiwilligen Feuerwehr aus Villeneuve L'Archevêque ein. Es wurde deutlich, dass diese Partnerschaft nicht nur eine „offizielle“ Veranstaltung ist, sondern dass die Partnerschaft von der gesamten Bevölkerung getragen wird. Mit großem Bedauern musste man dann aber in Kirchberg erfahren, dass der Gründungsbürgermeister Paul Grelot am 10.4.1976 beerdigt wurde. Eine Abordnung der Stadt Kirchberg nahm an der Beisetzung teil.
Erfreulicherweise konnte der Schüleraustausch auch im Jahr 1977 durchgeführt werden. Zunächst waren 30 Kirchberger Schüler der 9. Klassen in Villeneuve am Collège. Der 14-tägige Gegenbesuch der französischen Schüler erfolgte noch im gleichen Jahr. Bei ihrem jährlichen Besuch in Villeneuve konnten ca. 50 Bürger der Stadt Kirchberg erneut die aufrichtige Freundschaft der französischen Partner erfahren.
Die Fußball- und Handballmannschaft trafen zusammen mit der Feuerwehr ihre Kollegen vom letztjährigen Besuch.
Dass das Jahr 1978 als ein erfolgreiches Partnerjahr bezeichnet werden konnte, lag an den zahlreichen Begegnungen zwischen den Partnerstädten. Vom 08.03. - 22.03.1978 verweilten 25 französische Schüler mit zwei Lehrkräften in Kirchberg, nahmen am Unterricht teil und erlebten eine Reihe von kulturellen Veranstaltungen. Danach erfolgte der Gegenbesuch in Villeneuve. Auch hier stand im Vordergrund des Aufenthaltes der Unterricht. Zudem hatten die Schüler die Gelegenheit einige umliegende Städte zu besichtigen.
Am 23.09.1978 konnte der Beigeordnete, Herr Werner Elsen, 40 Gäste aus Villeneuve in Kirchberg begrüßen. Nach dem Empfang in der Aula der Realschule stand am nächsten Tag ein Besuch des Rheintals an. Zum Ausklang besuchten die Partner das Winzerfest in St. Goarshausen.
Am Ende des Aufenthaltes vom 22.09. - 24.09.1979 in der Partnerstadt Villeneuve waren sich alle 34 Kirchberger Bürger einig, dass ein Besuch in Frankreich mal wieder eine Reise wert gewesen war. Die französischen Gastgeber hatten erneut ein abwechslungsreiches, buntes Programm erarbeitet, das am letzten Abend im Hotel „Vieux Moulin“ endete.
Aus organisatorischen Gründen konnte dagegen leider kein Schüleraustausch durchgeführt werden.
„Zehn Jahre Partnerschaft über Grenzen hinweg!“ So titelte die Hunsrücker Zeitung am 14. Oktober 1980. Zu diesem feierlichen Anlass waren 92 französische Gäste angereist, die zusammen mit ihren deutschen Partnern im Verlauf eines erinnerungswürdigen Wochenendes auf ein erfolgreiches Jahrzehnt gelebter Freundschaft zurückblicken konnten. Anlässlich des kleinen Jubiläums wollten die Schüler natürlich nicht zurückstehen und so fand auch in diesem Jahr erneut ein Schüleraustausch statt. Vom 10.04. - 17.04.1980 waren 31 Schüler aus Frankreich in Kirchberg und vom 05.07. - 12.07.1980 erfolgte der Gegenbesuch, jeweils in ein reichhaltiges Ferienprogramm eingebunden.

Gastgeschenk der französischen Delegation

Nicht immer scheint in Frankreich die Sonne. Das mussten am 10.10.1981 56 Kirchberger Personen in Villeneuve bei ihrer Ankunft feststellen. Davon ungetrübt blieb der herzliche Empfang. Bei der folgenden Abendveranstaltung kam es zu zahlreichen gegenseitigen Ehrungen verdienter Persönlichkeiten. Als Symbol der Freundschaft zwischen den beiden Städten pflanzte Bürgermeister Rudi Koppke am nächsten Tag vor der Turnhalle zwei Hunsrücker Freundschaftsbäume.
In Villeneuve hatte man ein eigenes Comité de Jumelage gegründet, um den Bürgermeister zu entlasten und um den Partnerschaftsgedanken noch intensiver gestalten zu können. Herr Jean Claude Michot wurde nun als Partnerschaftspräsident zum Ansprechpartner der Stadt Kirchberg.
Anscheinend kam 1982 kein Austausch zustande und der neue Bürgermeister, Herr Willi Lanninger, wendete sich im Dezember besorgt an den Bürgermeister von Villeneuve. Gleichzeitig sprach er eine Einladung für das Jahr 1983 aus.
Wie schon so oft wurde auch  dieser Besuch der französischen Gäste in das Vereinsleben der beiden Städte eingebunden. Am Ende eines harmonischen und abwechslungsreichen Wochenendes im Juli war ein weiteres Kapitel der Städtepartnerschaft geschrieben. Auch Villeneuve hatte in diesem Jahr einen neuen Bürgermeister bekommen: Herr Michel Rebequet, der bis zum heutigen Tage die Stadt Villeneuve L’Archevêque repräsentiert und ein wichtiger Ansprechpartner der deutsch-französischen Freundschaft ist.
Zum ersten Mal in der Partnerschaftsgeschichte der Stadt Kirchberg kam es 1984 im Rahmen eines deutsch-amerikanischen Abends zu einem Treffen niederländischer, französischer und deutscher Partner. Zuvor waren im Mai, vom 26.05. - 28.05.1984 38 Kirchberger Bürger zum offiziellen Besuch in Villeneuve. Daneben kam es zu einer Vielzahl von privaten Kontakten.
Die Geschichte des Schüleraustausches fand in diesem Jahr ihre Fortsetzung, indem 17 Jungen und Mädchen der Realschule vom 24.04. - 08.05.1985 ihre Partnerschule, das Collège in Villeneuve, besuchten.

Direkt im Anschluss fand der Gegenbesuch in Kirchberg statt.

65 Freunde aus Frankreich und 8 niederländische Partner trafen im Rahmen des offiziellen Partnerwochenendes  vom 28.09. -  30.09.1985 in Kirchberg aufeinander. Dieses Treffen stand unter dem Motto „500 Jahre Pfarrkirche St. Michael“.
Vom 30.04. - 04.05.1986 organisierten die beiden Städte einen Jugendaustausch in Kirchberg auf privater Ebene, der seine Fortsetzung in der Zeit vom 21.07. - 28.07.1986 in Villeneuve fand. Zwischen den beiden Treffen der Jugendlichen organisierten die Verantwortlichen den offiziellen Besuch der Stadt Kirchberg in Villeneuve. 45 Personen aus Kirchberg und Umgebung fuhren am 10.05.1986 in die französische Partnerstadt und wurden dort gewohnt freundlich empfangen.

Empfang und Begrüßung in Villeneuve L‘Archevêque


Im Februar 1987 gab es in Villeneuve einen Wechsel in der Führung des Comités de Jumelage, denn Herr Alain Rondey hatte Herrn Jean Claude Michot abgelöst. Schon seit einigen Jahren hatte das Lehrerehepaar Régine und Alain Rondey maßgeblich den Schüleraustausch geleitet. So erschien dann auch bereits im Mai 1987 der neu gewählte Präsident Alain Rondey mit einer Schülergruppe in Kirchberg. Schon 8 Wochen später besuchte eine französische Delegation Kirchberg im Rahmen der offiziellen Städtepartnerschaft.
Im April des kommenden Jahres wurden die Bürger aus Kirchberg und Umgebung herzlich nach Villeneuve eingeladen. Zum Schüleraustausch kamen die Schüler des Collèges von Villeneuve im Juni 1988 nach Kirchberg. Während ihres Aufenthaltes in Kirchberg nahmen die französischen Schüler auch an dem Schulfest anlässlich des 20jährigen Bestehens des Schulzentrums teil.
In den Herbstferien 1988 konnten sich 20 Jugendliche, betreut von dem Lehrerehepaar Erika und Heinrich Augustin, aus Kirchberg und Umgebung in ihrer Partnerstadt umsehen. Aufpassen, Zuhören, Verstehen, Sprechen waren besonders gefragt.
Neben den direkten Kontakten mit der Partnerstadt in Frankreich war für die Stadt Kirchberg in all den Jahren eine Menge Schriftverkehr mit den verschiedensten Instituten, die sich mit der deutsch-französischen Partnerschaft beschäftigen und diese organisieren, zu bewältigen. Es kam zu zahlreichen Sitzungen und Informationsveranstaltungen auf der Ebene der Bürgermeister und der Partnerschaftsbeauftragten. Am 18.09.1989 wurde Herr Heinrich Augustin vom Stadtrat zum Präsidenten des Freundschaftskreises Kirchberg – Villeneuve gewählt.
Im Jahre 1989 entstand die Idee, einen großen wechselseitigen Austausch von bildnerisch schaffenden Künstlern zu organisieren. Nach ausgiebigen Vorbereitungen kam die französische Delegation vom 06.05.1989 bis zum 08.05.1989 mit ihren Kunstwerken nach Kirchberg. In einem feierlichen Rahmenprogramm wurde die gemeinsame Kunstausstellung von den Bürgermeistern Michel Rebequet und Willi Lanninger sowie den Partnerschaftspräsidenten Alain Rondey und Heinrich Augustin eröffnet. Die Hunsrücker Zeitung schrieb danach: „Die Kunst kennt keine Grenzen.“ Aus der Fülle der positiven Rückmeldungen sei ein Brief der 82 Jahre alten Bürgermeisterin einer Nachbargemeinde von Villeneuve erwähnt. Madame de Seynes schrieb: „Ich bewahre mir ein ausgezeichnetes Andenken an das zurückliegende Wochenende bei Ihnen in Kirchberg. Alles war perfekt geplant, getragen von hervorragender Freundschaft“. Im Jubiläumsjahr 1990 wurde der Schüleraustausch erfolgreich fortgesetzt: zunächst in Kirchberg und dann im Anschluss in Villeneuve. In der Zeit vom 19.05. - 21.05.1990 konnte man in Villeneuve auf 20 Jahre bewährte Partnerschaft zurückblicken. In Würdigung dieser gelebten Völkerverständigung
wurde in Villeneuve L’Archevêque die „Avenue Kirchberg“ eingeweiht.

Einweihung der Straße

Im März des darauffolgenden Jahres besuchten erstmals Kirchberger Haupt- und Realschüler gemeinsam das Collège in Villeneuve. Schon im Mai erfolgte der französische Gegenbesuch. Ebenfalls im Mai erschien in Kirchberg die offizielle Delegation aus Frankreich.



1992 wurden sowohl der offizielle Austausch der Erwachsenen als auch der Schüleraustausch fortgesetzt.


Im Jahr 1993 beklagte Herr Augustin allerdings in einem Brief an den Stadtbürgermeister, dass immer weniger Schüler Interesse zeigten, an einem Austausch teilzunehmen und dass damit das ganze Projekt gefährdet erschien. Trotzdem kam es auch in diesem Jahr zu weiteren Begegnungen Jugendlicher und Erwachsener. Am Ende des Jahrs 1993 teilte Herr Augustin dem Bürgermeister mit, dass er sein Amt als Präsident des Partnerschaftsausschusses wegen familiärer Belastungen bedauerlicherweise niederlegen müsse.
1994 fuhren Schülerinnen und Schüler der Realschule mit ihrer Lehrerin, Frau Wegener-Konrad, nach Villeneuve und empfingen im Mai ihre Partner in Kirchberg, wie immer von dem Ehepaar Régine und Alain Rondey hervorragend vorbereitet und betreut. Im November des gleichen Jahres verlief der Erwachsenenaustausch unter der Leitung von Frau Daniela Klink. Ab Sommer 1994 leitete nun in Kirchberg Herr Dr. Hans Dunger die Geschicke der Stadt und war damit auch einer der Ansprechpartner des Städteaustausches.
Leider ging das Interesse der deutschen Schüler an de r französischen Sprache in diesen Jahren zunehmend zurück, sodass es immer seltener zu einem Schüleraustausch kam. Der Kontakt zwischen den Jugendlichen ist aber nicht abgebrochen, denn auf privater Schiene fanden immer wieder Kontakte statt. Bei der 1000-Jahr-Feier von Denzen durften die Gäste aus Frankreich natürlich nicht fehlen und so fand sich im Juli 1995 eine große Zahl französischer Freunde zum Festwochenende in Kirchberg ein.
1996 war dann die deutsche Delegation wieder in Villeneuve und im Jahr darauf traf man sich erneut in der Stadt auf dem Berge.

In Kirchberg hatte man mittlerweile, ähnlich wie in Villeneuve, ein eigenes Komitee  für die Koordinierung der Partnerschaftsangelegenheiten gegründet, das von Frau Daniela Klink geleitet wurde.


In den folgenden Jahren wurde nach bewährter Manier der Städteaustausch fortgesetzt.
Auf Einladung des deutsch-französischen Freundeskreises verbrachten im Jahr 2004 fast 50 Personen aus Villeneuve ein harmonisches Wochenende in Kirchberg. Herr Rebequet erinnerte in seiner Rede noch einmal an das Freundschaftsversprechen, das vor 34 Jahren abgegeben wurde und endete wie immer: „Vive l’Amitié Franco-Allemand!“
Auf Kirchberger Seite leitet seit 2005 der neue Stadtbürgermeister Herr Werner Elsen, der schon seit vielen Jahren am Austauschprogramm teilgenommen hatte,  die Kontakte zwischen den Städten und den Partnerschaftsbeauftragten. In freundschaftlicher Atmosphäre verlief auch diesem Jahr die Begegnung zwischen den Bürgern der beiden Städte und ihrer Umgebung.
Ab dem Jahre 2006 hatte in Villeneuve Madame Martine Thery-Loroy die Leitung des Partnerschaftskomitees übernommen. Auf Einladung aus Frankreich erfolgte im Juni 2007 der Gegenbesuch in Villeneuve. Nachdem Frau Daniela Klink den Vorsitz im Partnerschaftsausschuss niedergelegt hatte, übernahm Herr Winfried Wagner die Leitung des Gremiums  und koordiniert seither auf Kirchberger Seite den Städteaustausch.
Was sich in acht dicken Aktenordnern „Städtepartnerschaft der Stadt Kirchberg" verbirgt, ist bei weitem mehr als nur eine Sammlung von Stadtratbeschlüssen, Schriftverkehr mit Behörden, Programmen, Einladungen, Glückwünschen zum neuen Jahr, Zeitungsberichten, …
Aus allen Quellen spricht der tiefempfundene Wunsch, eine dauerhafte Freundschaft mit Frankreich im Allgemeinen und mit Villeneuve L‘Archevêque im Besonderen zu beginnen und über jetzt mehr als 40 Jahre zu bewahren. Nicht unerwähnt soll auch bleiben, dass die Stadt Kirchberg den Partnerschaftsgedanken auch immer sehr großzügig in finanzieller Hinsicht unterstützt hat.
Von den Bürgermeistern über die Räte, die Partnerschaftsbeauftragten, Kirchen, Schulen und Vereine, bis hin zu allen Bürgern spürt man das intensive Engagement jedes Einzelnen, die Ideen der Partnerschaftsurkunde von 1970 ernst zu nehmen und sie in gelebte Freundschaft umzusetzen. Jeder, der irgendwann einmal an den Partnerschaftstreffen teilgenommen hat, wird die große Herzlichkeit auf beiden Seiten empfunden haben. In all diesen Jahren gab es kaum ein Fest in Kirchberg, an dem nicht auch französische Freunde anwesend waren. Nicht selten haben offizielle Kontakte zu dauerhaften Freundschaften zwischen Familien selbst über Generationen hinaus geführt. Umso schmerzlicher ist es, dass einige maßgebliche Personen der Partnerschaftsbewegung leider allzu früh verstorben sind und nicht mehr erleben durften, wie die Idee der Aussöhnung und Völkerverständigung immer weiter ausgebaut und bewahrt wurde und wird.
Schon kurz nach der Besiegelung der Städtepartnerschaft starb in Villeneuve der Bürgermeister Paul Grelot. Auf deutscher Seite starb bereits 1982 der amtierende Stadtbürgermeister Herr Rudi Koppke, der mit großem Eifer die Partnerschaft vorangetragen hatte. Kurz nach der Jahrtausendwende musste man in Kirchberg erneut einen herben Verlust hinnehmen, den Tod von Herrn Willi Lanninger, dem langjährigen Bürgermeister von Kirchberg, der ebenfalls in herausragender Weise die Städtepartnerschaft gefördert hatte. Auch der erste Präsident der deutschen Partnerschaft, Herr Erwin Wagner, der auch ein entschiedener Förder der deutsch-französischen Aussöhnung war, ist mittlerweile 2007 verstorben. Zuletzt im Jahr 2008 verloren die beiden Städte mit Herrn Alain Rondey den langjährigen Organisator und Motor sowohl des Schulaustausches als auch der Begegnungen zwischen den Erwachsenen.
Unser Blick soll aber nach vorne gerichtet bleiben, denn auch in einem Europa, in dem mittlerweile viele Gräben zugeschüttet sind bleibt immer noch genügend Raum, um die allgemeine Völkerverständigung voranzutreiben. Wie schon in den zurückliegenden vier Jahrzehnten werden die Jugend, die Bürger der Partnerschaften, die Schulen und Kirchen, Vereine und Verbände das Gedankengut der niedergelegten Urkunde von 1970 weiterhin mit Leben füllen müssen, damit Europa nicht nur ein Traum bleibt, sondern eine stabile Säule im Haus der Weltgemeinschaft wird.

Bunter Abend in Kirchberg






Heinrich Augustin